Darum holt die Kanne-Group in Heede Mitarbeiter aus der Kurzarbeit

Als Betreiber zahlreicher Hotels und Restaurants ist die Kanne-Group aus Heede stark von der Corona-Pandemie betroffen. Nun wird ein Teil der rund 200 Beschäftigten aus der Kurzarbeit geholt. Mit einem Partner aus Aachen hat die Gruppe einen großen Desinfektionsspender entwickelt, der jetzt bundesweit verkauft wird.

Etwa 200 Köpfe stark ist das Team der Kanne-Group aus Heede. Von dort aus werden bundesweit etwa 70 Standorte in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Kaffee-Rösterei, Immobilienverwaltung und -planung betreut und geführt. „Ein Großteil der Beschäftigten befindet sich bereits seit Mitte März in Kurzarbeit“, berichtet Henrik Kanne, Sohn des Unternehmensinhabers und -gründers Hermann Kanne. Zwar habe man für Restaurants wie dem Kannelloni an der Autobahn 31 einen Lieferservice aufbauen können, in den Hotels übernachten zum Teil noch Geschäftsreisende, dieser Tätigkeiten aber können bei weitem nicht die Beschäftigten auslasten.

Nun konnte die Familie Kanne einige Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück holen. Gemeinsam mit Timm Kasischke, einem Erfinder und Maschinenbau-Ingenieur aus Aachen und Inhaber der KP Innovations GmbH, hat Kanne einen Desinfektionsspender für die „Massenanwendung“ entwickelt. In das Gerät können bis zu 45 Liter Desinfektionsmittel (neun Beutel zu je 5 Liter) gefüllt werden, bei einer Abgabemenge von drei Milliliter, wie vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen, muss das Gerät erst nach 15.000 Anwendungen wieder befüllt werden. „Zwischen Idee und Serienreife lagen nur etwa sechs Wochen. Wenn man eine solche Idee einem großen Medizintechnik-Hersteller präsentiert, vergehen schnell sechs Monate“, weiß Kasischke, der in seinem Studium einen Schwerpunkt in Medizintechnik gesetzt hatte, aus Erfahrung.

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Hinter dem „Dispensoo“, einem Desinfektionsspender für die Massenanwendung, stehen Henrik Kanne (Foto) von der Kanne-Group in Heede und Timm Kasischke von der KP Innovations GmbH.

TÜV stellte Mitarbeiter nur für dieses Projekt ab

Wieso es diesmal deutlich schneller ging, hat mehrere Gründe. Eigentlich handelt es sich bei dem Gerät um einen automatischen Cocktail-Mixer, der zum Beispiel auf großen Konzerten innerhalb weniger Sekunden aus Fruchtsäften und Alkoholika einen frischen Cocktail mixt. Die Kanne-Group hat den Cocktail-Mixer in den vergangenen Jahren für mehrere Hotels und Bars angeschafft, daher kannten sich  Timm Kasischke und Henrik Kanne auch. Kurz gesagt: Hinter dem „Dispensoo“, wie Kanne und Kasischke den Desinfektionsspender getauft haben, steckt im wesentlichen die „Cocktail-Box“. „Für die notwendigen Umbauarbeiten hat uns der TÜV extra einen Mitarbeiter abgestellt, weil sie erkannt haben, wie wichtig ein Desinfektionsspender in Coronazeiten ist“, erklärt der Entwickler. Sicherheit sei eminent wichtig, schließlich sei hochprozentiger Alkohol, aus dem die Desinfektionsmittel bestehen, leicht entflammbar. Außerdem muss das Gerät vor Diebstahl und Vandalismus geschützt sein. Es funktioniert berührungslos über Infrarot.

Inzwischen ist der „Dispensoo“ serienreif. Kanne und Kasischke haben 1000 Stück bei mehreren kleinen Unternehmen in Auftrag gegeben, zum Beispiel Tischlereien und Messebauern. „Auch dort sichern wir Arbeitsplätze oder verhindern Kurzarbeit“, sagt Henrik Kanne, der mit seinem Team den Vertrieb, die Auslieferung innerhalb Deutschlands und dem angrenzenden Ausland und das „Branding“, also die individuelle Beschriftung, übernimmt. Seine Mitarbeiter haben beispielsweise die Internetseite dispensoo.com gestaltet. Etwa 30 Mitarbeiter konnte Kanne inzwischen aus der Kurzarbeit holen, weitere dürften kurzfristig folgen. Denn der Heeder ist sich sicher, dass es nicht bei 1000 hergestellten Geräten bleiben wird. Mehrere Filialisten aus der Lebensmittelbranche haben Kanne zufolge bereits Interesse am „Dispensoo“ gezeigt.

Hohe Herstellungs- und Vertriebskosten

Der Landkreis Emsland und die Meyer Werft gehörten zu den ersten Kunden, die ein Gerät erhalten haben. Mit etwa 2500 Euro je Gerät bei Einzelabnahme inklusive einer Erstausstattung mit Desinfektionsmitteln ist der Desinfektionsspender nichts für den Privathaushalt oder Ein-Mann-Einzelhändler, dort sind aber ja auch keine tausenden Desinfektionen in kurzer Zeit notwendig. „Und wenn soziale Einrichtungen bei uns anfragen, gibt es ohnehin einen reduzierten, individuellen Preis“, verspricht Henrik Kanne, der zudem auf die hohen Herstellungs-, Entwicklungs und Vertriebskosten verweist. Hergestellt wird der „Dispensoo“ nämlich ausschließlich in Deutschland.